ZurichDental-Podcast

Podcast mit Dr. Jakob Müller und Elisa Brunke

Kiefer unter Druck. Ernährung im Fokus

Zähneknirschen, Michigan-Schiene und vegane Ernährung: Wie Bruxismus deine Zahngesundheit und Sportperformance beeinflusst

Zähne sind kein Nebenschauplatz, weder im Alltag noch im Training. In dieser Folge des Zürcher Zahnarzt Podcasts ZurichDental spricht Dr. Jakob Müller mit Content Creator Elisa über Bruxismus, also Zähneknirschen und Zähnepressen, und warum das im schlimmsten Fall sogar zum Zahnverlust führen kann. Ausserdem geht es um vegane Ernährung, Fluorid, Kariesprophylaxe und den Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und Sportperformance.

"Zähneknirschen kommt schon in der Bibel vor. Menschen knirschen seit über 2000 Jahren, es ist aber trotzdem nicht gut."

Dr. Jakob Müller, MSc., M.Sc., Gründungspartner ZurichDental 

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Bruxismus verstehen: Warum Pressen und Knirschen so zerstörerisch sein können

Bruxismus ist der Fachbegriff für Zähneknirschen. Dabei gibt es zwei typische Muster: Knirschen in Bewegung, das oft durch Geräusche auffällt, und das häufig unterschätzte Zähnepressen, bei dem die Zähne statisch mit enormer Kraft zusammengebissen werden. Dr. Jakob Müller nennt eine Zahl, die hängen bleibt: Bis zu 480 kg pro Quadratzentimeter können dabei auf die Zähne wirken. Das erklärt, warum Zahnärzte in der Praxis regelmässig Schlifffacetten, Schmelzrisse, Höckerfrakturen und sogar echte Zahnfrakturen sehen, obwohl Betroffene manchmal nur „eine Suppe“ oder ein „Gipfeli“ gegessen haben.

Wenn ein Riss reicht: Wie aus Mikro-Schäden plötzlich ein Zahnbruch wird

Elisa berichtet, dass sie durch nächtliches Pressen bereits zwei Zähne verloren hat. Der Ablauf ist typisch: Erst entstehen kleine Risse, dann wird der Schaden schleichend grösser, bis ein scheinbar harmloser Biss der berühmte Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Besonders bitter: Bei einer Längsfraktur, die sich in die Wurzel fortsetzt, kann die moderne Zahnmedizin häufig nicht mehr retten, was man gerne retten würde. Dann heisst es tatsächlich: Zahn ziehen, weil sich die Fraktur nicht dauerhaft biologisch „versiegeln“ lässt.

Kiefermuskeln im Dauertraining: Warum Bruxismus auch Kraftsportler betrifft

Im Gespräch wird klar: Kraftsport und Zahnmedizin haben mehr Schnittmenge, als man denkt. Der Musculus masseter (grosser Kaumuskel) zählt zu den stärksten Muskeln im Körper und kann durch nächtliches Pressen sogar hypertrophieren, also dicker werden, wie ein Muskel im Training. Viele Betroffene spüren das als Verspannung im Kiefer, am Hinterkopf oder im Bereich der Schläfen. Wer abends regelmässig „Knoten“ wegmassieren muss oder bei der Massage hört „Was ist da denn los?“, sollte das als Warnsignal ernst nehmen.

Michigan-Schiene: Schutz, Kraftverteilung und Entspannung in einem

Ein zentrales Werkzeug gegen Nachtbruxismus ist die harte Knirscherschiene, häufig als Michigan-Schiene umgesetzt. Elisa trägt sie konsequent jede Nacht, nachdem weiche Schienen bei ihr schnell „durchgeknirscht“ waren. Dr. Müller beschreibt drei Hauptfunktionen: Erstens schützt die Schiene den Zahnschmelz, weil nicht Zahn auf Zahn reibt. Zweitens verteilt sie die Kaukräfte gleichmässiger, damit nicht einzelne Höcker „die volle Ladung“ abbekommen. Drittens sorgt eine leichte Bisserhöhung im Frontzahnbereich für einen Reflex, der mittelfristig zur Entspannung beitragen kann. Wichtig ist die Kontrolle nach einigen Wochen, denn Schleifspuren auf der Schiene liefern den handfesten Beweis, was nachts wirklich passiert.

Zahngesundheit und Sportperformance: Entzündungen im Mund bremsen dich aus

Besonders spannend für Sportler ist diese Aussage: Zahngesundheit und Sportperformance hängen zusammen, dazu gibt es gute Studien. Dr. Müller verweist auf sportmedizinische Checks bei Spitzensportlern und darauf, dass Profiteams neue Spieler zahnmedizinisch untersuchen lassen. Der Grund ist naheliegend: Entzündungen im Mund, etwa eine Zahnfleischentzündung oder Parodontitis, belasten den Körper und können Leistungsfähigkeit kosten. Wer hart trainiert, aber Zahnfleischprobleme ignoriert, fährt sprichwörtlich mit angezogener Handbremse.

Vegane Ernährung, Zucker, Fluorid: Karies ist kein Vegan-Problem, sondern ein Pflege-Problem

Der Mythos, Veganer hätten automatisch mehr Zahnprobleme, wird im Gespräch relativiert. Entscheidend ist nicht das Label „vegan“, sondern das Gesamtpaket aus Ernährung, Mundhygiene und Kariesprophylaxe. Ahornsirup ist aus zahnmedizinischer Sicht nicht plötzlich „zahnschonend“, aber er ist auch nicht magisch schlimmer als Haushaltszucker. Karies entsteht, wenn Bakterien wie Streptococcus mutans Zucker zu Säure verstoffwechseln und diese Säure lange genug an den Zähnen bleibt. Heisst im Klartext: Häufiges Snacken und schlechte Reinigung sind das Problem, nicht die Tatsache, dass jemand vegan isst. Kritisch kann es werden, wenn Zucker oder süsse Lebensmittel mit dem Verzicht auf Fluorid zusammenkommen, weil dann die Remineralisierung fehlt.

Fluorid, Zahnseide, Interdentalbürsten: Die Basics, die wirklich den Unterschied machen

Dr. Jakob Müller positioniert sich klar: Fluorid ist für die Kariesprophylaxe das Wichtigste, am besten über fluoridhaltige Zahnpasta und gegebenenfalls fluoridiertes Speisesalz. Ergänzend kann einmal wöchentlich ein höher dosiertes Fluoridgel sinnvoll sein. Dazu kommt die Stelle, an der viele scheitern: zwischen den Zähnen. Erwachsene bekommen Karies häufig dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Zahnseide oder Interdentalbürsten gehören daher zur täglichen Routine, am besten abends. Interdentalbürsten sind oft effizienter, Zahnseide bleibt bei sehr engen Zahnzwischenräumen eine gute Lösung.

Diagnose und Hilfe bei Kieferschmerzen: Von Triggerpunkten bis Stressreduktion

Wer vermutet, zu knirschen oder zu pressen, sollte es professionell abklären lassen. In der Untersuchung wird die Kaumuskulatur abgetastet, Triggerpunkte geprüft, das Kiefergelenk beurteilt, die Mundöffnung kontrolliert und typische Abriebmuster an den Zähnen gesucht. Da Bruxismus häufig stressbedingt ist und im medizinischen Klassifikationssystem eher bei psychosomatischen Erkrankungen auftaucht, gehört Stressreduktion zur Therapie: progressive Muskelrelaxation, Atemübungen, Yoga, autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen, Hauptsache, es bringt den Körper runter.

Therapie-Optionen: Physiotherapie, Wärme, Medikamente und Botox als letzter Schritt

Neben der Knirscherschiene können Physiotherapie, Selbstmassage und Wärme helfen, die Muskulatur zu entspannen und besser zu durchbluten. Bei akuten Beschwerden kommen entzündungshemmende Medikamente nach ärztlicher Empfehlung infrage. Als moderne Option wird auch Botox in den Masseter genannt, um die Muskelspannung für einige Monate zu reduzieren, mit möglichem Nebeneffekt eines schmaleren Kieferbereichs. Elisa macht aber deutlich, dass es für sie als Veganerin wegen Tierversuchen nicht infrage kommt. Ausserdem bleibt der Punkt bestehen: Botox behandelt eher das Symptom, nicht die Ursache, deshalb führt langfristig an Stressmanagement und konsequenter Behandlung des Bruxismus kaum ein Weg vorbei.

Elisa Brunke im Sportoutfit mit Fitnesshantel in der rechten Hand

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